30 Jahre Haus Walburga: Meine Erinnerungen

09.03.2026

Foto: Bayram Er, Drw

Wenn ich heute im Haus Walburga in Krumbach sitze, kann ich kaum glauben, dass hier vor 30 Jahren alles begonnen hat. Damals entstand die erste Außenwohngruppe des Dominikus-Ringeisen-Werks – und damit auch für viele von uns eine völlig neue Perspektive auf ein selbstbestimmtes Leben.

Ich selbst habe diese Entwicklung hautnah miterlebt. Die Idee, Menschen mit Behinderung mehr Eigenständigkeit zu ermöglichen, war damals alles andere als selbstverständlich. Heute wirkt das normal, aber früher war es für viele ein mutiger Schritt – vielleicht sogar ein bisschen verrückt.

Ich erinnere mich noch gut an meine eigenen Gefühle, als ich ins Haus Walburga gezogen bin. Bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr habe ich in einem Kinderheim auf dem Land gelebt. Plötzlich sollte ich in einer kleinen Stadt wohnen, in einer Art Wohngemeinschaft – und viel mehr Verantwortung für mich selbst übernehmen. Das war aufregend, aber auch mit Unsicherheit verbunden.

Mit der neuen Freiheit kam nämlich auch Verantwortung. Dinge wie Einkaufen, Kochen, Wäsche waschen oder Putzen gehörten plötzlich zum Alltag. Natürlich mit Unterstützung, aber trotzdem musste jeder seinen Teil beitragen. Besonders der Wäschedienst war für mich eine echte Herausforderung. Wenn sich die Wäsche bei meinen Mitbewohnern gestapelt hat und dann alles auf einmal gewaschen werden musste, war meine Geduld schnell am Ende.

Trotzdem überwiegen in meiner Erinnerung die positiven Erlebnisse. Ich habe schnell Anschluss gefunden, Freundschaften geschlossen und gemerkt, wie gut es tut, selbst Entscheidungen treffen zu können. Ob ein Besuch im Kino, im Eiscafé oder beim Arzt – vieles war plötzlich viel einfacher und spontaner möglich.

Auch das gemeinsame Leben im Haus war etwas Besonderes. Es wurde viel gelacht, gefeiert und erlebt. Geburtstage, Fasching oder gemeinsame Urlaube – all das konnten wir selbst mitgestalten. Diese Freiheit hat uns geprägt und uns gezeigt, was möglich ist.

Heute lebe ich in meiner eigenen Wohnung, aber die Zeit im Haus Walburga hat mich stark gemacht und mir den Weg in ein selbstständigeres Leben geebnet. Wenn ich zurückblicke, bin ich dankbar, dass es Menschen gab, die damals den Mut hatten, neue Wege zu gehen.

Für mich ist Haus Walburga mehr als nur ein Wohnort – es ist ein wichtiger Teil meiner Geschichte und ein Symbol dafür, wie Inklusion gelingen kann.